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 Johann Faustus - unvertontes Opernlibretto von Hanns Eisler
"Weill Eisler zündet" - mit Ines Krautwurst, Wolfgang Schmidt (voc) und Stephan König (p)

 
REZENSION v. 17.03.00, Leipziger Volkszeitung
Faustisch gestrebt auch ohne Noten
Unzählige Male ist der Faust-Stoff schon ausgeschlachtet worden. Eine relativ unbekannte Version stammt aus der Feder von Hanns Eisler: sein Opernlibretto "Johann Faustus" von 1952 blieb in der DDR verboten und deshalb unvertont. Goethe sollte nicht karikiert und verunstaltet werden, mahnte der selige Ulbricht. Drei renommierte Leipziger Künstler belebten am Mittwoch in der Musikhochschule Eislers Textvorlage. Der Schauspieler Wolfgang Schmidt las Auszüge aus drei Akten des "Johann Faustus", Ines Krautwurst sang passende Lieder von Weill/Brecht, Pianist Stephan König begleitete sie am Flügel.
Das Trio lieferte ein bis ins Detail durchgestyltes Programm. Wenn die Krautwurst nicht gerade mit atemberaubender Gesangsstimme die Luft vibrieren ließ, half sie Schmidt beim Lesen und schlüpfte in die Rolle der Grete und der Elsa. Ein zurückhaltendes Spiel, im Gegensatz zu ihren selbstbewußten, fast aggressiven Interpretationen von "Song von Mandelay", dem Lied einer deutschen Mutter, oder "Wenn ich in der Hölle brenne", die tief unter die Haut gingen.
Danach gleich wieder der wandlungsfähige Vorleser Schmidt: als Unterweltchef Pluto, als dessen Agenten mit "braunem Fell und kurzgeschorenen Haaren", als Luther ("Das Ohr ist das wahre Organ des Christen"), natürlich als Mephisto ("Warum ist er viermal Doktor ?") und Faust ("Wer den Herren die Hand reicht, dem wird sie verdorben"). Schade, daß Spitzbärtchen Ulbricht das nicht erlebt hat. Selbst schuld ...
Maria Hufenreuter
 

REZENSION v. März 1999, Zeitpunkt Leipzig
Unvollendete Faustus-Oper als Chanson-Abend
Der in Leipzig geborene Hanns Eisler wollte in den fünfziger Jahren eine "Faust"-Oper komponieren, doch die vorlauten Einwände der DDR-Kulturfunktionäre nahmen ihm die Lust, das Libretto zu vertonen. Geblieben ist ein schönes Drama (aufgeführt am "Berliner Ensemble" 1982). Eisler ließ das Volk mitreden und ein Hanswurst durfte die neue Religion des Martin Luther gut finden, weil der Pfarrer nun vom Wein auch der Gemeinde abgeben muß. Stephan König hat sich als Pianist und Komponist mit dieser unvollendeten Idee befaßt und sich zusammen mit der Sängerin Ines Krautwurst eine eigene Eisler-Johann-Faustus-Story gebaut, in der Wolfgang Schmidt mit sonorer Stimme der Erzähler ist.
Da erklingen auch Weisen aus dem Eisler-, Brecht-, Weill-Umfeld, die durchaus der "Faust"-Zeit das Wasser reichen können. Vom Hanswurst kriegt man auch die Erklärung, was man noch ins schmackhafte (Sauer-)Kraut legen könne, die Wurst nämlich. Hanswurst bekommt seine Grete, Faust wirft das Handtuch, einsichtig, "weil er nicht zu seiner Sache stand". Ganz am Anfang fragte Faust noch den Boten des Teufels: "Wie schnell bist du?" Und Mephisto antwortet: "So schnell wie der Übergang vom Guten zum Bösen".
Ein überaus gelungener Abend zwischen Unterhaltung, Nachsinnen und Bedauern, daß Hanns Eisler seiner Oper nicht noch Sing- und Orchesterstimmen gegeben hat. Die Oper sollte noch geschrieben werden!
Karsten Pietsch
 



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